Sa |03|20:15| CINEMA

White Sun - Seto Surya

Deepak Rauniyar, Nepal 2016, 89', Ov/d/f,

WELTFILMTAGE THUSIS ZU GAST IN ILANZ

In Anwesenheit des Regiesseurs

Ein Mann, der sich den Rebellen angeschlossen hatte, kehrt zum Begräbnis seines Vaters ins Heimatdorf am Fuss des Himalaya zurück. Mit Feingefühl erzählt der junge nepalesische Filmemacher Deepak Rauniyar von einem Leben nach dem Bürgerkrieg und von den teils gar amüsanten Momenten um den Versuch, einen Leichnam an sein Ziel zu bringen. Ein ebenso berührender wie unterhaltsamer Einblick ins Leben am Fuss des Himalaya.

«White Sun» ist im Heute von Nepal angesiedelt, in der Zeit nach dem Bürgerkrieg und dem schweren Erdbeben. Chandra begibt sich nach Jahren der Abwesenheit auf den Weg nach Hause, und der ist, wie wir bald zu sehen bekommen, ein langer, sein letztes Stück lässt sich nur zu Fuss bewältigen. Das kleine Dorf, aus dem Chandra stammt und das er einst verlassen hatte, um sich dem maoistischen Widerstand anzuschliessen, liegt an einem Hang hoch über einem der unzähligen Täler im Himalaya. Zurückgelassen hatte der junge Mann nicht einfach sein Dorf, er verliess für den Kampf um eine vermeintlich bessere Sache auch seine Frau und ihr uneheliches Kind, verliess den Vater, der bis in den Tod ein getreuer Royalist geblieben war und mit dem Chandra sich genauso gestritten hatte wie mit dem eigenen Bruder. Auch dieser konnte und kann noch immer noch nicht die Ansichten des Grösseren teilen. Chandra kehrt heim und wird vom Busbahnhof aus begleitet von einem Buben namens Badri, der sich ihm als Träger anbietet. Er gehört zur untersten Kaste, ist damit ein Wertloser, und gleichzeitig könnte er sein Sohn sein.

Chandra wirkt nachdenklich, aber bestimmt. Die Rückkehr aus der Stadt ist nicht nur eine Heimkehr zur Familie, die ihn mit Zwiespalt empfängt, es ist auch ein Wechsel von der Stadt mit ihren Aspekten der Moderne, aufs Land und in ein Dorf, in dem Traditonen gross geschrieben werden. Deepak Rauniyar erzählt die Geschichte von Chandra von Anfang an ohne Aufregung. Man spürt, dass man sich an den Hängen des Himalaya mit den Höhenmetern, die hier vermessen wurden, nicht hektisch bewegt, zu schnell würde man ausser Atem kommen, würden einen die Kräfte im Stich lassen. Rauniyar erzählt im Kern eine sehr ernsthafte Geschichte, deren Auslöser der Tod eines Vaters ist und ein bevorstehendes Begräbnis, aber er erzählt sie auf lockere Art, in der man immer mal wieder schmunzeln muss über das Verhalten der Figuren und über Konstellationen im Ort. So gäbe es gewiss bequemere Wege, einen Leichnam aus dem Haus zu bringen, aber das hinduistische Ritual verlangt, dass der Körper des Verstorbenen von seinen Söhnen mit den Füssen voraus durchs Fenster geschoben wird. Da das Leben von Chandras Vater unter dem Dach seines Hauses endete, gilt es nun eben, seinen Leichnam durchs Dachfenster ins Freie zu bringen, und das wird nur die erste Hürde sein, die es zu überwinden gilt, bis der Tote am Ziel angekommen ist.

Walter Ruggle

15.-
Reservaziun:

Ein Mann, der sich den Rebellen angeschlossen hatte, kehrt zum Begräbnis seines Vaters ins Heimatdorf am Fuss des Himalaya zurück. Mit Feingefühl erzählt der junge nepalesische Filmemacher Deepak Rauniyar von einem Leben nach dem Bürgerkrieg und von den teils gar amüsanten Momenten um den Versuch, einen Leichnam an sein Ziel zu bringen. Ein ebenso berührender wie unterhaltsamer Einblick ins Leben am Fuss des Himalaya.

«White Sun» ist im Heute von Nepal angesiedelt, in der Zeit nach dem Bürgerkrieg und dem schweren Erdbeben. Chandra begibt sich nach Jahren der Abwesenheit auf den Weg nach Hause, und der ist, wie wir bald zu sehen bekommen, ein langer, sein letztes Stück lässt sich nur zu Fuss bewältigen. Das kleine Dorf, aus dem Chandra stammt und das er einst verlassen hatte, um sich dem maoistischen Widerstand anzuschliessen, liegt an einem Hang hoch über einem der unzähligen Täler im Himalaya. Zurückgelassen hatte der junge Mann nicht einfach sein Dorf, er verliess für den Kampf um eine vermeintlich bessere Sache auch seine Frau und ihr uneheliches Kind, verliess den Vater, der bis in den Tod ein getreuer Royalist geblieben war und mit dem Chandra sich genauso gestritten hatte wie mit dem eigenen Bruder. Auch dieser konnte und kann noch immer noch nicht die Ansichten des Grösseren teilen. Chandra kehrt heim und wird vom Busbahnhof aus begleitet von einem Buben namens Badri, der sich ihm als Träger anbietet. Er gehört zur untersten Kaste, ist damit ein Wertloser, und gleichzeitig könnte er sein Sohn sein.

Chandra wirkt nachdenklich, aber bestimmt. Die Rückkehr aus der Stadt ist nicht nur eine Heimkehr zur Familie, die ihn mit Zwiespalt empfängt, es ist auch ein Wechsel von der Stadt mit ihren Aspekten der Moderne, aufs Land und in ein Dorf, in dem Traditonen gross geschrieben werden. Deepak Rauniyar erzählt die Geschichte von Chandra von Anfang an ohne Aufregung. Man spürt, dass man sich an den Hängen des Himalaya mit den Höhenmetern, die hier vermessen wurden, nicht hektisch bewegt, zu schnell würde man ausser Atem kommen, würden einen die Kräfte im Stich lassen. Rauniyar erzählt im Kern eine sehr ernsthafte Geschichte, deren Auslöser der Tod eines Vaters ist und ein bevorstehendes Begräbnis, aber er erzählt sie auf lockere Art, in der man immer mal wieder schmunzeln muss über das Verhalten der Figuren und über Konstellationen im Ort. So gäbe es gewiss bequemere Wege, einen Leichnam aus dem Haus zu bringen, aber das hinduistische Ritual verlangt, dass der Körper des Verstorbenen von seinen Söhnen mit den Füssen voraus durchs Fenster geschoben wird. Da das Leben von Chandras Vater unter dem Dach seines Hauses endete, gilt es nun eben, seinen Leichnam durchs Dachfenster ins Freie zu bringen, und das wird nur die erste Hürde sein, die es zu überwinden gilt, bis der Tote am Ziel angekommen ist.

Walter Ruggle