Mi |07|11|2018| CINEMA

Tutto quello che vuoi

Francesco Bruni, Italien 2017, 106', I/d,

TOURNEEFESTIVAL CINEMA ITALIANO 2018

Der ungeduldige und ungezogene 22jährige Alessandro hängt den ganzen Tag mit seinen Kumpels herum. Widerwillig nimmt er auf Druck seines Vaters den Auftrag an, den 85jährigen Giorgio auf seinen Spaziergängen zu begleiten. Giorgio ist ein längst in Vergessenheit geratener Dichter, der trotz seiner Alzheimer-Krankheit die Würde und die Lebensfreude nicht verloren hat. Tag für Tag kommen sich die beiden näher. Eine Freundschaft bahnt sich an, die Alessandros Sicht aufs Leben verändert und im Gedächtnis des eleganten alten Herrn Erinnerungen aus längst vergangenen Tagen wachruft. Es sind Erinnerungen an einen Schatz, den es nun endlich zu bergen gilt. Giorgio, Alessandro und dessen Freunde brechen auf, in der Toskana diesen Schatz zu suchen. Eine abenteuerliche Reise, die Alessandro eine neue Welt entdecken lässt, einen Reichtum, der sich in seinem Herzen verbirgt.

 

"Tutto quello che vuoi" ist der neue Film des Regisseurs von "Scialla!", der fürs Tourneefestival CINEMA ITALIANO 2013 ausgewählt war. Altmeister Giuliano Montaldo, der mit "Sacco e Vanzetti" Filmgeschichte schrieb und dessen "L'industriale" ebenfalls in der Tournee 2013 zu sehen war, spielt in der liebevollen Komödie von Francesco Bruni den Dichter Giorgio. Für diese Darstellung erhielt Giuliano Montaldo 2018 einen David di Donatello-Preis.

 

Vor einigen paar Jahren erkrankte mein Vater an Alzheimer. Das Anfangsstadium der Krankheit bot auch Überraschendes: er verwechselte Namen, sagte Ehrliches oder Unpassendes, was nicht selten zu bewegenden, peinlichen und manchmal auch lustigen Momente führte. Was mich an meinem Vater am meisten beeindruckte, war der fortschreitende Rückzug in die Vergangenheit. In seinem Kopf tauchten längst vergessene Menschen und Ereignisse wieder auf. Die zentrale Episode im Film - die Verfolgungsjagd des amerikanischen Militärs und das erhaltene Geschenk - ist etwas, was mein Vater ab und zu erwähnte, aber nie so genau und detailliert wie nach Ausbruch der Krankheit. Ich versuchte, davon ausgehend eine Geschichte auszudenken, die ansonsten nichts mit meinem Vater und meiner Familie zu tun haben sollte. So vermischt der Film persönliche Erfahrungen und Erlebnisse mit frei Erfundenem. Als ich mit dem Drehbuch fertig war, wurde mir klar, dass ich mit 54 Jahren altersmässig in der Mitte zwischen den beiden Protagonisten der Geschichte angekommen war, die das gleiche Alter haben wie damals mein Vater und mein Sohn. Sicherlich ein Zufall, für mich indes stellt dies eine unvermeidliche Bilanz dar von dem, was war, und von dem, was die Zukunft bringen könnte.

Francesco Bruni

 

Diesen Film muss man gesehen haben! Mit einer Intelligenz und Sensibilität, wie man sie in der italienischen Komödie kaum mehr sieht, offenbart Francesco Bruni seine Fähigkeit, die Empfindungen seiner Figuren ohne jede Art von moralisch-belehrender Vereinfachung nachvollziehbar zu machen. Ein fester, aber doch sensibler Blick der Protagonisten genügt. Andrea Carpenzano und seine Freunde sind absolut glaubwürdig, Donatella Finocchiaro hat in der Rolle von Claudia einen herausragenden Kurzauftritt. Nicht zuletzt gebührt Bruni das Verdienst dafür, dass er einen Meister des italienischen Kinos, Giuliano Montaldo, für die Rolle des alten Dichters gewinnen konnte. Montaldo stellt den Poeten und dessen Welt perfekt dar und schlägt eine Brücke zwischen der Unvergänglichkeit der Erinnerung und der zerbrechlichen Unwissenheit.

Valerio Caprara, Il Mattino

07.11.2018, 20:15

Der ungeduldige und ungezogene 22jährige Alessandro hängt den ganzen Tag mit seinen Kumpels herum. Widerwillig nimmt er auf Druck seines Vaters den Auftrag an, den 85jährigen Giorgio auf seinen Spaziergängen zu begleiten. Giorgio ist ein längst in Vergessenheit geratener Dichter, der trotz seiner Alzheimer-Krankheit die Würde und die Lebensfreude nicht verloren hat. Tag für Tag kommen sich die beiden näher. Eine Freundschaft bahnt sich an, die Alessandros Sicht aufs Leben verändert und im Gedächtnis des eleganten alten Herrn Erinnerungen aus längst vergangenen Tagen wachruft. Es sind Erinnerungen an einen Schatz, den es nun endlich zu bergen gilt. Giorgio, Alessandro und dessen Freunde brechen auf, in der Toskana diesen Schatz zu suchen. Eine abenteuerliche Reise, die Alessandro eine neue Welt entdecken lässt, einen Reichtum, der sich in seinem Herzen verbirgt.

 

"Tutto quello che vuoi" ist der neue Film des Regisseurs von "Scialla!", der fürs Tourneefestival CINEMA ITALIANO 2013 ausgewählt war. Altmeister Giuliano Montaldo, der mit "Sacco e Vanzetti" Filmgeschichte schrieb und dessen "L'industriale" ebenfalls in der Tournee 2013 zu sehen war, spielt in der liebevollen Komödie von Francesco Bruni den Dichter Giorgio. Für diese Darstellung erhielt Giuliano Montaldo 2018 einen David di Donatello-Preis.

 

Vor einigen paar Jahren erkrankte mein Vater an Alzheimer. Das Anfangsstadium der Krankheit bot auch Überraschendes: er verwechselte Namen, sagte Ehrliches oder Unpassendes, was nicht selten zu bewegenden, peinlichen und manchmal auch lustigen Momente führte. Was mich an meinem Vater am meisten beeindruckte, war der fortschreitende Rückzug in die Vergangenheit. In seinem Kopf tauchten längst vergessene Menschen und Ereignisse wieder auf. Die zentrale Episode im Film - die Verfolgungsjagd des amerikanischen Militärs und das erhaltene Geschenk - ist etwas, was mein Vater ab und zu erwähnte, aber nie so genau und detailliert wie nach Ausbruch der Krankheit. Ich versuchte, davon ausgehend eine Geschichte auszudenken, die ansonsten nichts mit meinem Vater und meiner Familie zu tun haben sollte. So vermischt der Film persönliche Erfahrungen und Erlebnisse mit frei Erfundenem. Als ich mit dem Drehbuch fertig war, wurde mir klar, dass ich mit 54 Jahren altersmässig in der Mitte zwischen den beiden Protagonisten der Geschichte angekommen war, die das gleiche Alter haben wie damals mein Vater und mein Sohn. Sicherlich ein Zufall, für mich indes stellt dies eine unvermeidliche Bilanz dar von dem, was war, und von dem, was die Zukunft bringen könnte.

Francesco Bruni

 

Diesen Film muss man gesehen haben! Mit einer Intelligenz und Sensibilität, wie man sie in der italienischen Komödie kaum mehr sieht, offenbart Francesco Bruni seine Fähigkeit, die Empfindungen seiner Figuren ohne jede Art von moralisch-belehrender Vereinfachung nachvollziehbar zu machen. Ein fester, aber doch sensibler Blick der Protagonisten genügt. Andrea Carpenzano und seine Freunde sind absolut glaubwürdig, Donatella Finocchiaro hat in der Rolle von Claudia einen herausragenden Kurzauftritt. Nicht zuletzt gebührt Bruni das Verdienst dafür, dass er einen Meister des italienischen Kinos, Giuliano Montaldo, für die Rolle des alten Dichters gewinnen konnte. Montaldo stellt den Poeten und dessen Welt perfekt dar und schlägt eine Brücke zwischen der Unvergänglichkeit der Erinnerung und der zerbrechlichen Unwissenheit.

Valerio Caprara, Il Mattino