Mi |03|06|2015| CINEMA

Theeb

Naji Abu Nowar, Jordanien 2014, 100', Ov/d/f, k.A.

Wolf - der Beduinenjunge

Theeb heisst deutsch Wolf. Es ist der Name eines aufgeweckten und neugierigen Beduinenjungen, der seinem älteren Bruder folgt, als dieser im Jahr 1916 mit einem britischen Offizier auf eine heikle Begleiter-Mission in die Wüste geht und durch die verschlungenen Täler des Wadi Rum. Der eindrücklich fotografierte Spielfilm feierte in Venedig seine Weltpremiere und überraschte in seiner Erzählung aus der Zeit des osmanischen Reichs.

Der Beduinenjunge

Eine allein schon in ihrer Machart erstaunliche Geschichte aus dem immensen Wadi Rum in der jordanischen Wüste erzählt uns Naji Abu Nowar in seinem ersten Spielfilm. 2014 erinnerte man überall an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 100 Jahren zuvor. In unseren Breitengraden lag der Fokus im Erinnern in der Regel auf Europa, aber Afrika, Ostasien und der Nahe Osten waren genauso betroffen, und wenn man die Gegenwart heute betrachtet, erkennt man, dass viel von dem, was die Welt beschäftigt, damals angelegt worden war. 

Theeb ist im Jahr 1916 im Nahen Osten angesiedelt, das heisst: mitten in der Zeit des Krieges und doch irgendwie weit weg vom Geschehen, das in die Geschichtsbücher einging. Theeb ist aber kein Historienfilm, es ist eine kleine Geschichte mitten der grossen Historie. Der Junge mit dem Namen Theeb (thiib ausgesprochen, bedeutet Wolf) ist aufgeweckt und bewundert seinen Bruder Hussein, der einiges älter ist und schiessen kann. Abends, wenn die Beduinen sich unter dem Zeltdach zusammenfinden, plaudern und spielen, schaut Theeb zu, beobachtet, nimmt wahr. Als etwa ein Fremder zu Gast ist und verköstigt wird, ist Theeb es, der ihn in Verlegenheit bringt, weil er ihn dabei ertappt, wie er eine Speise hinter dem Rücken wegwerfen will. Der Fremde ist ein Engländer, das ist für Theeb ohne Bedeutung, für die Region aber schon. - Naji Abu Nowar lädt uns ein, einzutauchen in die ferne Zeit, sie aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten und einen jungen Beduinen auf einer Reise zum Erwachsenwerden zu begleiten. Das ist eine Art Western, der im Osten entstanden ist, in der gleichen Gegend übrigens wie der legendäre Lawrence Of Arabia von David Lean. Man könnte Theeb als den kleinen Bruder des grandiosen Epos bezeichnen. Eine echte Entdeckung. 
Walter Ruggle, Trigon

03.06.2015, 20:15

Theeb heisst deutsch Wolf. Es ist der Name eines aufgeweckten und neugierigen Beduinenjungen, der seinem älteren Bruder folgt, als dieser im Jahr 1916 mit einem britischen Offizier auf eine heikle Begleiter-Mission in die Wüste geht und durch die verschlungenen Täler des Wadi Rum. Der eindrücklich fotografierte Spielfilm feierte in Venedig seine Weltpremiere und überraschte in seiner Erzählung aus der Zeit des osmanischen Reichs.

Der Beduinenjunge

Eine allein schon in ihrer Machart erstaunliche Geschichte aus dem immensen Wadi Rum in der jordanischen Wüste erzählt uns Naji Abu Nowar in seinem ersten Spielfilm. 2014 erinnerte man überall an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs 100 Jahren zuvor. In unseren Breitengraden lag der Fokus im Erinnern in der Regel auf Europa, aber Afrika, Ostasien und der Nahe Osten waren genauso betroffen, und wenn man die Gegenwart heute betrachtet, erkennt man, dass viel von dem, was die Welt beschäftigt, damals angelegt worden war. 

Theeb ist im Jahr 1916 im Nahen Osten angesiedelt, das heisst: mitten in der Zeit des Krieges und doch irgendwie weit weg vom Geschehen, das in die Geschichtsbücher einging. Theeb ist aber kein Historienfilm, es ist eine kleine Geschichte mitten der grossen Historie. Der Junge mit dem Namen Theeb (thiib ausgesprochen, bedeutet Wolf) ist aufgeweckt und bewundert seinen Bruder Hussein, der einiges älter ist und schiessen kann. Abends, wenn die Beduinen sich unter dem Zeltdach zusammenfinden, plaudern und spielen, schaut Theeb zu, beobachtet, nimmt wahr. Als etwa ein Fremder zu Gast ist und verköstigt wird, ist Theeb es, der ihn in Verlegenheit bringt, weil er ihn dabei ertappt, wie er eine Speise hinter dem Rücken wegwerfen will. Der Fremde ist ein Engländer, das ist für Theeb ohne Bedeutung, für die Region aber schon. - Naji Abu Nowar lädt uns ein, einzutauchen in die ferne Zeit, sie aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten und einen jungen Beduinen auf einer Reise zum Erwachsenwerden zu begleiten. Das ist eine Art Western, der im Osten entstanden ist, in der gleichen Gegend übrigens wie der legendäre Lawrence Of Arabia von David Lean. Man könnte Theeb als den kleinen Bruder des grandiosen Epos bezeichnen. Eine echte Entdeckung. 
Walter Ruggle, Trigon