Do |12|11|2015| CINEMA

La terra dei santi

Fernando Muraca, IT 2015, 89', I/d,

CINEMA ITALIANO 2015

Drei Frauen im Kalabrien von heute. Caterina ist die Ehefrau des untergetauchten 'Ndrangheta-Bosses Alfredo und hat pflichtbewusst ihren Sohn Pasquale für eine Zukunft an der Spitze des Clans erzogen. Caterinas jüngere Schwester Assunta hat im Bandenkrieg bereits ihren Mann verloren und sieht ihren Sohn Giuseppe denselben Weg einschlagen. Trotz alledem bleibt die Bindung zur Familie für sie das Einzige, was zählt. In diese geschlossene Gesellschaft bricht Vittoria ein, die Staatsanwältin aus Norditalien. Vittoria hat ein Ziel: das Schweigen der Frauen innerhalb dieses patriarchalen Systems zu brechen, das die Grundlage der einflussreichen kriminellen Vereinigung bildet. Die einzige Möglichkeit, den Kampf gegen die 'Ndrangheta zu gewinnen, sieht Vittoria darin, den Frauen und Müttern, die ihre Söhne in den Tod ziehen lassen, die Augen zu öffnen und sie dazu zu bringen, über die Grenzen ihres inneren Käfigs in diesem blutbefleckten Land hinaus zu schauen, das einst als das 'Land der Heiligen' bekannt war. Als Nando, Assuntas neuer Ehemann, verhaftet wird, wittert Vittoria ihre Chance.

Das "Land der Heiligen" ist Kalabrien. Das war es früher für die orthodoxen Griechen und das ist es auf entgegengesetzte Weise (ein blutbeflecktes Land der tödlichen Bande) noch heute für all jene, die sich - teilweise noch minderjährig - mit einem Initiationsritus der 'Gesellschaft' anschliessen. In dieser männlichen Welt der Bosse und Soldaten sind die Frauen der unentbehrliche Antrieb und sie wachen mit archaischer Familienstrenge über Geschäfte, Gefühle und Finanzen. Frauen, Mütter, Ehefrauen, Töchter und Schwestern, die sich verändern und entwickeln können: all das unterstreicht Fernando Muracas Film mit Aufmerksamkeit und Leidenschaft. Das Drehbuch stammt von Monica Zapelli (man denke nur an "I cento passi"). "La terra dei santi" ist ein Wechselspiel aus psychologischer Analyse und intensiver Spannung, das sich zwischen den Regeln der Unterdrückung und des Überlebensdrangs bewegt. 
Maurizio Di Rienzo, VivilCinema


12.11.2015, 20:15

Drei Frauen im Kalabrien von heute. Caterina ist die Ehefrau des untergetauchten 'Ndrangheta-Bosses Alfredo und hat pflichtbewusst ihren Sohn Pasquale für eine Zukunft an der Spitze des Clans erzogen. Caterinas jüngere Schwester Assunta hat im Bandenkrieg bereits ihren Mann verloren und sieht ihren Sohn Giuseppe denselben Weg einschlagen. Trotz alledem bleibt die Bindung zur Familie für sie das Einzige, was zählt. In diese geschlossene Gesellschaft bricht Vittoria ein, die Staatsanwältin aus Norditalien. Vittoria hat ein Ziel: das Schweigen der Frauen innerhalb dieses patriarchalen Systems zu brechen, das die Grundlage der einflussreichen kriminellen Vereinigung bildet. Die einzige Möglichkeit, den Kampf gegen die 'Ndrangheta zu gewinnen, sieht Vittoria darin, den Frauen und Müttern, die ihre Söhne in den Tod ziehen lassen, die Augen zu öffnen und sie dazu zu bringen, über die Grenzen ihres inneren Käfigs in diesem blutbefleckten Land hinaus zu schauen, das einst als das 'Land der Heiligen' bekannt war. Als Nando, Assuntas neuer Ehemann, verhaftet wird, wittert Vittoria ihre Chance.

Das "Land der Heiligen" ist Kalabrien. Das war es früher für die orthodoxen Griechen und das ist es auf entgegengesetzte Weise (ein blutbeflecktes Land der tödlichen Bande) noch heute für all jene, die sich - teilweise noch minderjährig - mit einem Initiationsritus der 'Gesellschaft' anschliessen. In dieser männlichen Welt der Bosse und Soldaten sind die Frauen der unentbehrliche Antrieb und sie wachen mit archaischer Familienstrenge über Geschäfte, Gefühle und Finanzen. Frauen, Mütter, Ehefrauen, Töchter und Schwestern, die sich verändern und entwickeln können: all das unterstreicht Fernando Muracas Film mit Aufmerksamkeit und Leidenschaft. Das Drehbuch stammt von Monica Zapelli (man denke nur an "I cento passi"). "La terra dei santi" ist ein Wechselspiel aus psychologischer Analyse und intensiver Spannung, das sich zwischen den Regeln der Unterdrückung und des Überlebensdrangs bewegt. 
Maurizio Di Rienzo, VivilCinema