Mi |22|11|2017| CINEMA

LA TENEREZZA - ZÄRTLICHKEIT

Gianni Amelio, Italien 2017, 103', I/d,

Cinema Italiano  - Tourneefestival 2017

Der pensionierte Rechtsanwalt Lorenzo hat soeben einen Herzinfarkt überlebt. Seit dem Tod seiner Frau lebt er allein und verbittert in einer schönen Altstadtwohnung im Zentrum Neapels. Er versprüht stets schlechte Laune und hat sich einen emotionalen Schutzpanzer zugelegt. Seine erwachsenen Kinder, Elena und Saverio, haben sich von ihm entfernt. Oder hat er sich von ihnen entfremdet?
Im Treppenhaus trifft Lorenzo auf die neue Nachbarin Michela, eine fröhliche junge Frau, die sich ausgesperrt hat und der er hilft, wieder in ihre Wohnung zu gelangen. Zu seinem eigenen Erstaunen geniesst Lorenzo die regelmässigen Begegnungen mit Michela. Auch mit ihrem Ehemann, dem norditalienischen Ingenieur Fabio, freundet sich Lorenzo an und spielt gerne mit den Kindern Bianca und Davide. Doch die neue Harmonie ist von kurzer Dauer. Die gut kaschierte dunkle Seite von Fabio führt ins Unglück. Lorenzo wird sein Leben neu gestalten.

Was ist Zärtlichkeit? Zum Beispiel die Fähigkeit, jemandem ohne besonderen Grund die Hand zu halten. Heutzutage wird es immer schwieriger, miteinander in Kontakt zu treten, obwohl jeder von uns eine Geste der Zärtlichkeit braucht, die uns sagt: 'Ich bin bei dir.' Diese Zärtlichkeit, die uns hilft, wenn wir im Dunkeln tappen. Ist man wie ich über 70 Jahre alt, fühlt man sich gegenüber den Menschen, die einem am nächsten stehen, häufig unsicher. Lorenzo kann sich besser seiner Nachbarin öffnen, die keine Fragen stellt. In ihr findet er seine Tochter wieder, die allerdings einen ganz anderen Charakter hat: sie ist stark und unabhängig und eine alleinerziehende Mutter. Im Mittelpunkt des Films steht Lorenzos konfliktbeladenes Verhältnis zur Tochter, eine Beziehung, in der es keine Zärtlichkeit mehr gibt. Am Ende erteilt ihm seine Nachbarin Michela eine Lektion fürs Leben, als sie ihm mit Leichtigkeit sagt: 'Vielleicht können Sie Ihre Kinder nicht lieben, jetzt, wo sie gross sind. Sie wünschen sich, dass sie immer klein bleiben, um sie beherrschen zu können. Wenn sie gross sind, muss man seine Kinder auf eine andere Weise lieben. Wir müssen reif sein, damit die Liebe zusammen mit uns reifen kann.'
Gianni Amelio

22.11.2017, 20:15

Der pensionierte Rechtsanwalt Lorenzo hat soeben einen Herzinfarkt überlebt. Seit dem Tod seiner Frau lebt er allein und verbittert in einer schönen Altstadtwohnung im Zentrum Neapels. Er versprüht stets schlechte Laune und hat sich einen emotionalen Schutzpanzer zugelegt. Seine erwachsenen Kinder, Elena und Saverio, haben sich von ihm entfernt. Oder hat er sich von ihnen entfremdet?
Im Treppenhaus trifft Lorenzo auf die neue Nachbarin Michela, eine fröhliche junge Frau, die sich ausgesperrt hat und der er hilft, wieder in ihre Wohnung zu gelangen. Zu seinem eigenen Erstaunen geniesst Lorenzo die regelmässigen Begegnungen mit Michela. Auch mit ihrem Ehemann, dem norditalienischen Ingenieur Fabio, freundet sich Lorenzo an und spielt gerne mit den Kindern Bianca und Davide. Doch die neue Harmonie ist von kurzer Dauer. Die gut kaschierte dunkle Seite von Fabio führt ins Unglück. Lorenzo wird sein Leben neu gestalten.

Was ist Zärtlichkeit? Zum Beispiel die Fähigkeit, jemandem ohne besonderen Grund die Hand zu halten. Heutzutage wird es immer schwieriger, miteinander in Kontakt zu treten, obwohl jeder von uns eine Geste der Zärtlichkeit braucht, die uns sagt: 'Ich bin bei dir.' Diese Zärtlichkeit, die uns hilft, wenn wir im Dunkeln tappen. Ist man wie ich über 70 Jahre alt, fühlt man sich gegenüber den Menschen, die einem am nächsten stehen, häufig unsicher. Lorenzo kann sich besser seiner Nachbarin öffnen, die keine Fragen stellt. In ihr findet er seine Tochter wieder, die allerdings einen ganz anderen Charakter hat: sie ist stark und unabhängig und eine alleinerziehende Mutter. Im Mittelpunkt des Films steht Lorenzos konfliktbeladenes Verhältnis zur Tochter, eine Beziehung, in der es keine Zärtlichkeit mehr gibt. Am Ende erteilt ihm seine Nachbarin Michela eine Lektion fürs Leben, als sie ihm mit Leichtigkeit sagt: 'Vielleicht können Sie Ihre Kinder nicht lieben, jetzt, wo sie gross sind. Sie wünschen sich, dass sie immer klein bleiben, um sie beherrschen zu können. Wenn sie gross sind, muss man seine Kinder auf eine andere Weise lieben. Wir müssen reif sein, damit die Liebe zusammen mit uns reifen kann.'
Gianni Amelio