Sa |29|06|2019| TRIBUNA__CORIN_INVIT

Dagobert

»Welt ohne Zeit«

Vor ein paar Jahren tauchte in der deutschen Hauptstadt Dagobert auf, ein schöner junger Mann voller Weltschmerz, in einem maßgeschneiderten, wie von einer langen Reise zerschlissenen Frack. Er wohnte in dem Hinterzimmer eines kleinen Cafés, von nicht viel mehr als seiner Sehnsucht. Zuvor lebte er fünf Jahre lang wie ein Einsiedler oben in den Bündner Bergen, in Pigniu, und hat sich fast ausschließlich von Reis ernährt, den er alle paar Wochen aus dem benachbarten Rueun zu Fuss den Berg hochschleppte. In dieser Zeit sind die Songs von seinen ersten beiden Alben "Dagobert" (2013) und "Afrika" (2015) entstanden. Jetzt, nach fast vier Jahren, kommt endlich sein drittes: "Welt ohne Zeit".  Es handelt von zehn Beziehungen, und dieses Mal, das unterscheidet sie von den Songs der ersten beiden Alben, sind es keine Sehnsuchtsgebilde, die er sich in der Einsamkeit der Bündner Alpen ausgedacht hat; sie haben alle stattgefunden, Dagobert hat sie erlebt.  

Manche sind bittersüß: Wir hatten uns/ Wir hatten Zeit/ uns beiden gehört die Vergangenheit. 

Andere todtraurig: Du hast dich weggelebt/ aus unserer jungen Welt/ und gar nicht erst versucht/ zu machen, dass es hält. 

Und wieder andere lakonisch: Ich wünsch mir so sehr/ du wärst hinter mir her/ wenn’s nicht klappt, werd ich Kosmonaut…

„Lange Jahre war ich ein schwerer Einsiedler“, sagt Dagobert, dessen R's und T's so sanft klingen wie Erlösung. "Nun bin ich in Berlin angekommen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, echte Freundschaften geschlossen und konnte mich dem allen hier hingegeben.“ 

Ein echtes Berlin-Album also, allerdings ganz ohne Hässlichkeit und Betondecke. "Welt ohne Zeit" klingt immer noch so schwelgerisch schön, wie man es von Dagobert gewohnt ist. Es ist aber ein bisschen fassbarer als die beiden Alben davor, stimmig und selbstbewusst, mit Liedern, die sehr aufeinander bezogen sind und trotz gemeinsamer Grundidee unabhängig voneinander schweben.

29.06.2019, 20:30

Vor ein paar Jahren tauchte in der deutschen Hauptstadt Dagobert auf, ein schöner junger Mann voller Weltschmerz, in einem maßgeschneiderten, wie von einer langen Reise zerschlissenen Frack. Er wohnte in dem Hinterzimmer eines kleinen Cafés, von nicht viel mehr als seiner Sehnsucht. Zuvor lebte er fünf Jahre lang wie ein Einsiedler oben in den Bündner Bergen, in Pigniu, und hat sich fast ausschließlich von Reis ernährt, den er alle paar Wochen aus dem benachbarten Rueun zu Fuss den Berg hochschleppte. In dieser Zeit sind die Songs von seinen ersten beiden Alben "Dagobert" (2013) und "Afrika" (2015) entstanden. Jetzt, nach fast vier Jahren, kommt endlich sein drittes: "Welt ohne Zeit".  Es handelt von zehn Beziehungen, und dieses Mal, das unterscheidet sie von den Songs der ersten beiden Alben, sind es keine Sehnsuchtsgebilde, die er sich in der Einsamkeit der Bündner Alpen ausgedacht hat; sie haben alle stattgefunden, Dagobert hat sie erlebt.  

Manche sind bittersüß: Wir hatten uns/ Wir hatten Zeit/ uns beiden gehört die Vergangenheit. 

Andere todtraurig: Du hast dich weggelebt/ aus unserer jungen Welt/ und gar nicht erst versucht/ zu machen, dass es hält. 

Und wieder andere lakonisch: Ich wünsch mir so sehr/ du wärst hinter mir her/ wenn’s nicht klappt, werd ich Kosmonaut…

„Lange Jahre war ich ein schwerer Einsiedler“, sagt Dagobert, dessen R's und T's so sanft klingen wie Erlösung. "Nun bin ich in Berlin angekommen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, echte Freundschaften geschlossen und konnte mich dem allen hier hingegeben.“ 

Ein echtes Berlin-Album also, allerdings ganz ohne Hässlichkeit und Betondecke. "Welt ohne Zeit" klingt immer noch so schwelgerisch schön, wie man es von Dagobert gewohnt ist. Es ist aber ein bisschen fassbarer als die beiden Alben davor, stimmig und selbstbewusst, mit Liedern, die sehr aufeinander bezogen sind und trotz gemeinsamer Grundidee unabhängig voneinander schweben.