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CINEMA
27 / 04 / 2017 | 20:15
Eine audio-visuelle Live-Installation von Strøm
ENTSCHATTA
CHF 20.- / CHF 10.- bis 18J
ENTRADA
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Video: Gaudenz Badrutt Musik: Strøm (Gaudenz Badrutt - Elektronik & Christian Müller - Elektronik) “Magma” ist auf der Lofoteninsel Vestvagøy (Norwegen) im Februar 2007 entstanden.

Aus dem Dunkel ein Ton und dann etwas Licht und damit ein Bild und also ein Raum – ein Anfang ist es nicht. Denn alles ist schon da: die Schwerkraft ist längst ins Werk gesetzt und auch die Bewegung, das Vorher, das Nachher, die Zeit; es gibt ein Unten und ein Oben und damit ein Darunter und ein Dahinter. Und dort nun liegt das Eigentliche – dieses Weltsurren, dessen Ursprung verdeckt bleibt und über das sich weit vorne eine Oberfläche spannt, eine Aussenhaut aus Wasser und Schlamm. Sie ist nicht zu durchdringen, sie mag noch so flüssig und fliessend sein und sich bereitwillig aufkrausen, wenn von irgendwo Tropfen aufschlagen; und der Blick gleitet ab und wird zurückgeworfen in einen randlosen, tiefen Himmel. Doch von der Mitte dieser Welt steigt Schall heran und mit ihm ein Abdruck der Kräfte, die dort wirken: Im Zentrum jener Ursuppe stösst ein Gebläse alle Materie an – unter metallischem Surren, wie von einem Turbinenkranz, der verschraubt ist im Dreck des Erdkerns und dessen fortwährendes Drehen bald nur noch einen Ton generiert, einen Ton, der sich ewig gleich ist und irgendeinmal nach sich selber greift und sich selber imitiert und schliesslich, da die Nachahmung auch hier nie ganz glücken kann, aus sich selbst heraus einen neuen Ton schafft und endlich neue Töne ohne Ende. Unterdessen treiben oben ruhig die Schollen, noch langsam wegen der grossen Distanz zum Rührwerk im Innern: und es stellt sich dieser Moment der Schönheit, des Fliessens und der Dauer ein, diese vermeintliche Ästhetik des Entstehens in jenem langen Augenblick, da im grossen Schöpfungsvorgang die Erde sich vom Wasser trennt – wenn es denn so wäre. Doch diese Genesis will nicht gelingen und führt nirgends hin; sie ist vielmehr schon abgebrochen worden und schaukelt oben noch ein bisschen, während unten alles schon einem grossen Abfluss zuschiesst. Viel Masse drängt da hinaus, die Drainage dauert, und in der Zwischenzeit werden schon mal – übungshalber und vielleicht als Vorleistung für die nächste Schöpfungsrunde – Tag und Nacht geschaffen, so dass es hier doch noch Abend werden kann bevor diese Welt den Abguss hinunterfährt und alles aus ist. Alles ausser dem Ton: jenem temperierten Heulen, aus dem heraus bereits der nächste Schöpfungsversuch angewuchtet wird. (Simon Eggimann)

Strøm (Gaudenz Badrutt - Elektronik & Christian Müller - Elektronik)
Strøm - seit 15 Jahren als 'working-band' aktiv – hat sich die Elektronik als wirkliches Musikinstrument zu eigen gemacht. Computer als Livesampler, Bodeneffekte, Synthesizer etc. sind im Laufe der Jahre zu einem einzigen riesigen 'Musikhirn' zusammengewachsen, welches von den beiden Musikern gesteuert wird, aber dank analoger, unstabiler Bestandteile sein Eigenleben besitzt. Damit setzt strøm die feine Schweizer Tradition elektroakustischer Noise-Improvisation (voice crack, 16-17) fort. Eine vielschichtige, architektonische, teils minimale, teils brachiale Musik, die sich langsam entwickelt, aber stets bereit ist, abrupt auszubrechen und einen neuen Weg einzuschlagen – eine Art 'cinéma pour l'oreille'. strøm spielt an verschiedensten Orten im In- und Ausland, an Festivals (Zwei Tage Zeit Zürich, Taktlos/Tonart Bern, Transmediale Berlin, Rue du Nord Lausanne, Norberg Festival Schweden,…), in Kunstmuseen oder im düsteren Underground-Club. Zahlreiche Zusammenarbeiten mit anderen Musikern (Hans Koch, Bertrand Gauguet, Burkhard Beins, FM Einheit, Clayton Thomas, Jonas Kocher, Norbert Möslang…), Klang- und Videoinstallationen sind weitere Tätigkeitsgebiete der beiden Bieler.

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